Gegen Angstmacherei

In einem populistischen Brief wenden sich Wolfgang Nickel und Bernard Lorenz von der CDU angesichts der Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung an die Ü-60-Jährigen. Sie unterstellen meiner Altersgruppe “Ängste und Sorgen” angesichts eines vermeintlich zu großen “Flüchtlingsstroms” und meinen allen Ernstes, wir fänden die Beschränkung des Familiennachzugs und andere unmenschliche Vorhaben gut. Hiergegen wende ich mich, auch als Kandidatin der LINKEN für die Stadtverordnetenversammlung (Platz 5) und als Kandidatin der Linken für den Ortsbeirat im Westend (Platz3). Übrigens, anders als im Wiesbadener Osten und in Mitte wurde dieser Brief im Westend nicht an alle Haushalte mit über 60-Jährigen verteilt. Die CDU mag ahnen, dass es in unserem Stadtteil kein Verständnis für diese Angstmacherei auf Kosten Schwächerer gibt. 

Nicht in meinem Namen
Ü-60-Jährige protestieren gegen den Hetzbrief.

Ü-60-Jährige wissen besser als viele Jüngere, was Krieg, Flucht und Vertreibung bedeutet. Viele der jungen Alten sind Kinder von Flüchtlingen. Sie haben die Folgen von Flucht und Vertreibung noch in ihren Familien erlebt und empfinden es als selbstverständlich, Flüchtlingen heute zu helfen. Sie wissen, das es keine “Flüchtlingskrise” gibt, sondern nur eine soziale Krise und dass es keinen “Flüchtlingsstrom” gibt, der reduziert werden müsste, sondern einzelne, verzweifelte Menschen, die fliehen. Falls der CDU ihr “C” im Namen irgend etwas bedeutet, sollte sie es als ihre vorrangige Aufgabe sehen, schutzsuchenden Flüchtlingen zu helfen.
Der Schutz der Familie muss dabei oberste Priorität haben. Das gilt uneingeschränkt auch für Flüchtlinge. Die Würde des Menschen ist unteilbar und muss bedingungslos für alle Menschen gelten.
Darüber hinaus wissen viele Ü-60-Jährige, dass wir aus den Fehlern der verfehlten “Gastarbeiterpolitik” lernen müssen. Damals wuchsen viele Kinder ohne ihre Eltern auf und wurden erst lange Jahre später nach Deutschland geholt, was vielen jungen Menschen und vielen Familien langjährigen oder dauerhaften Schaden zufügte.
Auch die Forderung nach vermehrten Abschiebungen ist populistischer Unfug, da in Kriegs- und Krisengebiete nach der Genfer Flüchtlingskonvention nicht abgeschoben werden darf.
Wenn Bernhard Lorenz als Vorsitzender der CDU-Rathausfraktion und Wolfgang Nickel als CDU-Spitzenkandidat für die Stadtverordnetenversammlung meinen, Ältere Wiesbaden hätten “Ängste und Sorgen”, antworten wir ihnen:

  • Wir haben Angst vor populistischer Angstmacherei.
  • Wir haben Angst davor, dass Menschen gegeneinander ausgespielt werden.
  • Wir haben Angst vor Sozialabbau, vor sinkenden Gehältern und sinkenden Renten.
  • Vor den vermeintlichen Fremden haben wir keine Angst. Sie sind unsere Brüder und Schwestern.

Aglaja Beyes

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