Eine Spange macht noch keine Wiesbadener Verkehrswende

Dem Hessischen Landtag liegt am Donnerstag ein Entschließungsantrag der Koalitionsfraktionen vor, der auf „Neue Perspektiven für den Bahnverkehr in Hessen“ durch Ausbauprojekte für die Schieneninfrastruktur in Hessen setzt. Dabei soll auch die „Wallauer Spange“ zügig in Angriff genommen werden.

Dazu erklärt Hans-Gerd Öfinger, Kandidat der Wiesbadener LINKEN für die Kommunalwahl 2016:

Es ist schön, dass die Hessische Landesregierung grünes Licht für die „Wallauer Spange“ geben und die Planungen noch 2016 beginnen will. Damit erfüllt sie nach jahrelangem Stillstand eine Forderung, welche die Wiesbadener LINKE seit 2007 vertritt. Die „Wallauer Spange“ bringt in der Tat für viele Pendlerinnen und Pendler im Rhein-Main-Gebiet große Zeitersparnis und verbessert den Anschluss Wiesbadens an den Eisenbahnfernverkehr spürbar. Viele Menschen, die sich bislang mit dem Auto über die A 66 und A 3 quälen, könnten zum Umsteigen in die Bahn bewegt werden.

Es war ein von der damaligen Bundesregierung aus Union und FDP zu verantwortender teurer Schildbürgerstreich, dass die Idee einer „Wallauer Spange“ bei der Planung der ICE-Neubautrasse Köln-Frankfurt in den 1990er Jahren aus Kostengründen fallengelassen wurde. Somit bleibt die gut 10 km lange doppelgleisige Strecke vom Wiesbadener Hautbahnhof entlang der A 66 bis Hofheim-Wallau seit rund 15 Jahren fast ungenutzt. In Verbindung mit dem Bau der ICE-Strecke hätte eine solche „Spange“ damals nur „Peanut-Beträge“ gekostet.

Allerdings macht eine Spange noch keinen Bahnsommer und noch längst keine Wiesbadener Verkehrswende. Weil die Straßen und das an sich gute Wiesbadener Busnetz überlastet sind, brauchen wir ein ganzheitliches Konzept zur Verkehrsverlagerung in Stadt und Region auf die Schiene. Dazu müssen alle nicht genutzten Bahntrassen erschlossen werden. Entscheidend sind eine Wiederinbetriebnahme der Aartalbahn und der schrittweise Ausbau einer Stadtbahn mit Direktverbindungen und Anschluss an den Regional- und Fernverkehr.

Wiesbaden ist die größte deutsche Stadt ohne ein innerstädtisches Stadt- oder Straßenbahnnetz – ein trauriger Rekord. Eine Stadtbahn als umweltfreundlichste Form der Elektromobilität könnte schon seit zehn Jahren in Betrieb sein, wenn nicht eine Rathausmehrheit von CDU, FDP und Republikanern 2001 das Projekt in letzter Sekunde verhindert hätte, obwohl damals die öffentlichen Gelder schon bewilligt waren. Ein zweiter Anlauf scheiterte 2012 leider an der Blockade durch die Landes-FDP und den damaligen hessischen Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP).

Mit der durchgehenden Aartalbahn könnten Westend, Rheingauviertel und die Innenstadt wenigstens teilweise von Lärm, Abgasen und Feinstaub des motorisierten Durchgangsverkehrs über den 1. und 2. Ring und die Schwalbacher und Emser Straße befreit werden. Dass eine Reaktivierung der Aartalbahn Sinn macht, zeigt die Erfahrung mit der vergleichbaren, längst wiederbelebten Taunusbahn von Frankfurt über Bad Homburg und Usingen nach Brandoberndorf.

Rückfragen an: Hans-Gerd Öfinger, mobil 0173.6528418

 

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