Giftgasunglück zeigt: Profitstreben schadet Mensch und Umwelt

  • Giftgasunglück belegt Versagen der Arbeitsschutz- und Umweltschutzpolitik

  • Profitstreben schadet Mensch und Umwelt und verleitet zu einem unachtsamen Umgang mit Gefahrstoffen

Zu den Konsequenzen aus dem Giftgasunglück bei der Firma Koepp Schaum GmbH in Oestrich-Winkel am 13. August 2012 erklären Karl-Heinz Bäuml, Kreisvorsitzender DIE LINKE. Rheingau-Taunus-Kreis, und Hans-Gerd Öfinger, Mitglied im Kreisvorstand DIE LINKE. Wiesbaden:

  • Es ist höchst erfreulich, dass den Beschäftigten der Firma Koepp Schaum GmbH in Oestrich-Winkel und den Bewohnern der Region eine größere und weitreichende Katastrophe in Folge des jüngsten Giftgasunglücks erspart geblieben ist. Unser Dank gilt den vielen Helfern von Katastrophenschutz, Feuerwehr, Rettungsdiensten und Polizei, den Einsatzleitern vor Ort und den Werksangehörigen, die mit ihrem schnellen und umsichtigen Einsatz sicher Schlimmeres verhinderten und dabei auch eine Gefährdung ihrer Gesundheit in Kauf nahmen. Gleichzeitig müssen jetzt viele Fragen aufgearbeitet und Konsequenzen aus dem Unglück gezogen werden.

  • Die Anwohner konnten über die vom Unglück ausgehenden gesundheitlichen Gefahren und Schäden für die Umwelt nur spekulieren. Dazu kam das lange Alarmierungswirrwar mit einer rasanten Folge von Evakuierungsanordnung, Entwarnung, ABC-Sirenen-Alarm und erneuter Entwarnung.

  • Es bleibt offen, warum Bürgermeister Paul Weimann (CDU) bereits fünf Minuten nach dem Vorfall über Art, chemische Reaktionen und Zersetzungsprodukte von Toluylendiisocyanat bescheid wusste, gleichzeitig jedoch Feuerwehrleute ohne die notwendige Schutzausrüstung der Giftgasgefahr ausgesetzt und verletzt wurden. Schließlich verlangt die Gefahrstoffverordnung konkrete Alarm-Gefahren-Abwehrpläne mit genauer Nennung möglicher Gefahrstoffe und Schutzmaßnahmen Hätte man daraus nicht auch die Pflicht zum Tragen von Atemschutz ableiten können?

  • Medienberichte über ein unsachgemäßes Vorgehen von Beschäftigten einer Fremdfirma, die irrtümlicherweise eine Kühlwasserleitung an den Toluylendiisocyanat-Behälter angeschlossen haben und damit die heftige Reaktion ausgelöst haben könnten, sind besorgniserregend. War den Verantwortlichen das Tun der Fremdfirmen nicht bekannt? Gab es die vorgeschrieben Sicherheitsunterweisungen auch für Arbeiter von Fremdfirmen, eine Arbeitsfreigabe durch einen Vorgesetzten und einen Sicherheitskoordinator für die Wartungsarbeiten? Waren die Rohrleitungen gekennzeichnet? Die Firma Koepp und die Aufsichtsbehörden sind eine rasche Antwort auf diese Fragen schuldig.

  • Vieles deutet darauf hin, dass eventuell nicht sicher und korrekt gearbeitet wurde und die Havarie auch eine Folge von Arbeitsverdichtung, Personalabbau und mangelhafter Schulung sein könnte. Kostendruck fördert auch in der Chemiebranche den Einsatz von Leiharbeitern und Fremdfirmen für gefährliche Arbeiten und bedingt einen unachtsamen Umgang mit Gefahrstoffen und rücksichtslosen Einsatz der menschlichen Arbeitskraft. Für das Profitstreben des Unternehmens zahlen Arbeiter, Rettungskräfte und Anwohner mit ihrer Gesundheit. Der materielle Schaden wird über Industrie-Versicherer abgewickelt, die Versicherungskonzerne gleichen diese Verluste mit höheren Prämien anderswo wieder aus.

  • Die von örtlichen Grünen geforderte Betriebsschließung lehnt DIE LINKE ab. So leichtfertig geht man nicht mit Arbeitsplätzen um. Statt über Deindustrialisierung sollten wir über Konversion und alternative, umweltfreundliche Produkte sprechen. Allerdings muss Koepp auch seiner Fürsorgepflicht gegenüber der eigenen Belegschaft nachkommen und den Arbeitsschutz verbessern. Dazu gehören Investitionen in den modernsten Stand der Technik. Gefährliche Anlagenteile müssen mit einer doppelwandigen, gasdichten Umhausung versehen werden, damit die Abluft auch bei eventuellen Austritten von Blausäure gereinigt werden kann. Was ist für die Gesellschaft billiger, gesünder und umweltschonender – eine gasdichte Umhausung oder ein mehrtägiger Einsatz von bis zu 400 Katastrophenhelfern bei bleibendem hohen Risiko für Mitarbeiter, Rettungskräfte und Anwohnern, ganz zu schweigen von hohen Folgekosten für Versicherungen und Berufsgenossenschaft etwa durch Entschädigungen oder lebenslange Erwerbsminderungsrenten für kranke Mitarbeiter oder Anwohner?

  • Schließlich sind auch die zuständigen Behörden gefordert, intensivere Prüfungen und Kontrollen vorzunehmen. Sie müssen dazu wieder besser ausgestattet und mit klareren Befugnissen versehen werden. Diese Stellen sind in den letzten Jahren personell so ausgedünnt worden, dass sie ihre Aufgaben nicht mehr ausreichend erfüllen können. Laut Gesetz muss der Arbeitgeber die Gefährdungsbeurteilung und die Umsetzung der Ergebnisse selbst durchführen. Damit werden die Kontrollaufgaben und Hoheitsrechte der Behörden und Berufsgenossenschaften eingeschränkt. Solche Zustände verleiten im Zusammenspiel mit Kostendruck, Personalabbau und der Angst von Beschäftigten vor einer Kündigung zu einem nachlässigen Umgang mit Sicherheits- und Umweltfragen im Betriebsalltag.

Kontakt:

Karl-Heinz Bäuml, Kreisvorsitzender DIE LINKE. Rheingau-Taunus-Kreis, Tel.: 06722 64926,
mobil 0176 27 07 92 85, 
Baeuml-Geisenheim@t-online.de

Hans-Gerd Öfinger, Vorstandsmitglied DIE LINKE. Wiesbaden, Tel. 0173 65 28 418, hgoefinger@aol.com

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